Mitgift

Vom Paradox des Weitergegebenen

30. Okt. – 5. Nov. 2026 / S-Gallery, Los Angeles

Zur Ausstellung Mitgift trage ich eine Fotografie bei, die drei genormte Farben der Streitkräfte der DDR zeigt. Das Olivgrün wurde von der Wehrmacht übernommen, die beiden anderen Farbtöne wurden 1988 ergänzt – kurz vor dem Ende des Staates. Lackiert sind sie auf Flaschen, die ebenfalls der Staatsnorm entsprachen.


Laufzeit
30. Oktober – 5. November 2026
Vernissage
Freitag, 30. Oktober, 18 Uhr
S-Gallery
5151 Romaine St, Los Angeles, CA 90029
Künstler:innen
Carlos Álvarez-Montero (MX), Carsten Becker (DE), Colleen Hargaden (US), Sean Noyce (US), Aline Schwörer (DE), Azadeh Shladovsky (US/IR), Irina Skornyakova (US/RU), Katya Usvitsky (US/BY), Beth Davila Waldman (US/PE)
Text von
Sean Noyce

Noysky Projects präsentiert Mitgift, eine kuratorische Zusammenarbeit mit Frontviews (Berlin) und Ojo Arte (Mexico City), zu Gast in der S-Gallery in East Hollywood. Die Ausstellung findet im Rahmen von B-LA-M statt, einem dreijährigen Austauschprogramm zwischen den unabhängigen Kunstszenen von Berlin, Los Angeles und Mexico Stadt, an dem 14 Projekträume in Los Angeles beteiligt sind. Mitgift schließt eine Trilogie des kuratorischen Zusammenschlusses von Noysky, Frontviews und Ojo ab, nach Birthmark (Berlin, 2024) und Nevus (Mexico Stadt, 2025).

Der Titel Mitgift trägt seine Ambivalenz im Wort selbst: das, was einem mitgegeben wird, kann Gabe und Gift zugleich sein. Was wir erben – Körper, Geschichten, Kulturen, Überzeugungen, soziale Verhältnisse – ist selten eindeutig Segen oder Bürde. Die Ausstellung versteht Erbe nicht als feste Größe, sondern als offenen Prozess zwischen Annahme, Umdeutung und Zurückweisung.

In Malerei, Skulptur, Fotografie und Mixed Media befragen die beteiligten Künstlerinnen und Künstler kulturelle, politische, persönliche und ideologische Formen des Erbes. Ihre Arbeiten zeigen, wie Identität durch Abstammung, Migration, Technologie und kollektive Erfahrung geformt wird – und wie soziale Netzwerke gelebte Erfahrung zugleich auf reduktive Identitätsbilder verkürzen.

Beteiligt sind Carsten Becker, dessen Fotografie transgenerationalem Trauma nachgeht; Colleen Hargaden, deren Skulpturen auf die sich wandelnde Politik der Technologie reagieren; Sean Noyce, dessen skulpturale Arbeit sich mit der Volksmagie des amerikanischen Westens beschäftigt; Azadeh Shladovsky, deren Skulpturen die Dualitäten der iranisch-amerikanischen Erfahrung erkunden; Katya Usvitsky, deren Arbeit Körper, Replikation und Regeneration verhandelt; und Beth Davila Waldman, deren Malerei den Einfluss soziopolitischer Kräfte auf die Landschaft untersucht.

Mitgift fragt, wie ererbte Identitäten fortgeschrieben und überschrieben werden. In einer Zeit, in der persönliche Geschichten durch die geglätteten Oberflächen digitaler Selbstdarstellung laufen, richtet die Ausstellung den Blick auf das, was sich nicht reduzieren lässt: Erinnerungen, Widersprüche und kulturelle Vermächtnisse.

Ankündigung

Invitation for Mitgift